Am 01. Oktober 2019 führt The North Face ihre neue Technologie Futurelight ein. Die neue Membran läutet ein neues Zeitalter bei der Marke aus den USA ein und soll neue Möglichkeiten für Mountain Wear und andere Bereiche bieten. Den Anfang bei der The North Face Futurelight Technologie machen die Jacken der Flight, Summit und Steep Series. Anfang 2020 werden weitere Produkte folgen.

Im Rahmen der Vorstellung der neuen Technologie konnten wir vorab bei einem Besuch im europäischen Headquarter von The North Face in Stabio (Schweiz) das Material testen und Hintergrundinformationen sammeln. Außerdem stand uns der Senior Director Product & Merchandising von The North Face, Michael Horsch, Rede und Antwort. Er erklärte uns, was es mit Futurelight auf sich hat.

The North Face Futurelight Technologie bei der TNF Flight Series Trailrunning Jacke

Futurelight: Die neue Membran durch Nanospinning

Die neue Membran die The North Face 2019 eigeführt hat soll neue Maßstäbe in Atmungsaktivität, Wasserdichte und Gewicht setzen. Außerdem wurde von Tag eins an besonderen Wert auf eine nachhaltige Produktion mit einem minimalen ökologischen Fußabdruck gesetzt.

Die Neuheit der Technologie heißt Nanospinning: Ein Prozess bei dem mehrere Tausend Polymer-Fäden übereinandergelegt werden und sich so ein Netz bildet, welches extrem atmungsaktiv und reisfest ist. Das Ganze wird bereits in der Medizin angewandt. Hier kann mittels dem Nanospinning künstliche Haut hergestellt werden. The North Face hat diese Herstellung adaptiert und auf ein neues, größeres Level gehoben. Durch diese Produktion können Kleidungsstücke dreilagig und extrem umweltfreundlich aus Recyclingmaterialien produziert werden.

Bei der Herstellung der Lagen werden somit kleine Löcher geschaffen, durch die eine höhere Atmungsaktivität und ein besserer Abtransport überschüssiger Wärme möglich ist. Diese Öffnungen im Nanometerbereich machen die Kleidung zudem sehr viel reißfester und dehnbarer, ohne dabei Einschränkungen bei der Wasserdichte eingehen zu müssen. Die komplette Entwicklung der Futurelight Produkte wurde von TNF Athleten begleitet und das Feedback kontinuierlich eingearbeitet. 

The North Face Futurelight Summit Series Outdoor Jacke

Ein weiteres Merkmal der Membran ist die Möglichkeit der Anpassung an die Aktivität bei der die Outdoor Jacke genutzt wird: "Tuneable". Beim Trailrunning benötigt man zum Beispiel eine höhere Atmungsaktivität als beim Klettern am Fels oder beim Freeriden. Allerdings kommt es hier dann stärker auf die Reißfestigkeit oder Wasserdichte an. Die Technologie ermöglicht es die Anordnung und Anzahl der Fäden anzupassen und so die passenden Produkte für die jeweilige Sportart zu schaffen. 

The North Face Futurelight: Zu Besuch im Testlabor

Im Rahmen unseres Besuchs im August 2019 im The North Face Headquarter in Stabio konnten wir die neuen Outdoor und Running Produkte der Flight und Summit Series auf deren Atmungsaktivität, Wasserdichte und weitere Merkmale im Labor testen. Bei der Vorstellung der Testkriterien und der anschließenden Durchführung der Tests konnten wir spannende Einblicke gewinnen und die Technologie vor Ort live erleben. Besonders interessant war es zu sehen wie die unterschiedlichen Serien - Summit vs. Flight Series - bei den Tests abgeschlossen haben.

Bei den Tests im Labor werden die einzelnen Materialien und die fertigen Produkte bis zum Äußersten getestet. Beim Reibechtheitstest wird zum Beispiel die Lage eingespannt und eine Reibung in Quer-, Längs- und Diagonalrichtung simuliert. Beim Spray-Test wird die DWR Imprägnierung nicht aber die Wasserdichte getestet. Hier wird geschaut wie die Tropfen die durch den Sprüheffekt auf das Material kommen abperlen. Ziel ist es, dass keine Wassertropfen auf dem schrägangebrachten Stoff hängen bleiben.

Beim Wind- und Wassersäulentest wird jeweils mit Druck gearbeitet. Einmal mit Luft- und einmal mit Wasserdruck. In beiden Fällen wird das eingespannte Material soweit belastet bis es reißt. Der Druck der hier entsteht wird über die angeschlossene Maschine festgehalten und dient als Ergebnis des Tests. So werden zum Beispiel Wassersäulen Werte von 20.000 mm oder 28.000 mm gemessen.

Der Reibechtheitstest im The North Face HQ in Stabio an der neuen Futurelight Membrane

Michael Horsch von The North Face im Interview

Keller Sports: The North Face hat eine lange Geschichte. Eine lange Geschichte an verwendeten Materialien. Wann und wie wurde die Idee von Futurelight geboren?

Michael Horsch: Wie die meisten guten Ideen von The North Face wurde sie durch die Interaktion mit unserem Athleten Team in den Bergen geboren. Andres Marin, ein The North Face Athlet aus Kanada, war mit unserem GM für Mountain Sport auf einer Ski-Bergtour. Es war ein normaler Alpin Tag. Du fängst am frühen Morgen in der Kälte an, dann erwärmt sich langsam dein Körper, du fängst an zu schwitzen. Je nachdem an welcher Bergseite du dich gerade bewegst, bist du mal mehr, mal weniger dem Wind ausgesetzt. Je nach Steilheit des Geländes arbeitet dein Körper mal mehr und mal weniger.

An diesen Tagen bist du eigentlich die ganze Zeit mit deiner Hardshell Jacke am Arbeiten. Reisverschluss zu, Reißverschluss runter. Kapuze hoch, Kapuze runter. Jacke an, Jacke aus. Oben auf dem Gipfel meinte Andres dann: "Wie genial wäre es eigentlich, wenn man die Jacke einfach den ganzen Tag anlassen könnte?" Das ist wohl der Wunsch der meisten Bergsportler. Hardshell Jacken bieten zwar den Schutz den man braucht, allerdings sind sie, was die Atmungsaktivtät angeht eher schlecht. Die Idee war dann ganz einfach: Können wir eine Jacke entwickeln, die soviel Komfort bietet das man sie die ganze Tour anlassen möchte?

Keller Sports: Wie funktioniert die Technologie? Woraus besteht Futurelight?

Michael Horsch: Das Herzstück von Futurelight ist eine Membrane die durch Nanospinning Technologie hergestellt wird. Normalerweise bestehen Membrane aus einer ePTF Decke (in andere Applikationen unter dem Namen Teflon bekannt), die man soweit auseinanderzieht bis kleine mikroskopische Löcher einreißen. Durch diese Löcher kann dann ein minimaler Durchlass von Wasserdampf (in diesem Fall Schweiß) erzielt werden. Futurelight besteht aus 50.000 kleinen nano-großen Polymer Fäden, die übereinandergelegt werden. Dadurch wird eine offene Struktur erzeugt, welche dann einen optimalen Durchlass des Wasserdampfs erlaubt, ohne die Wasserdichtigkeit zu beeinträchtigen.

The North Face Michael Horsch im Keller Sports Interview zur neuen Futurelight Technologie

Keller Sports: Was ist das Besondere an der Nanowebtechnologie?

Michael Horsch von The North Face: Sie besteht aus 50.000 Polymer Fäden die übereinandergelegt werden und nicht wie andere Produkte auf dem Markt aus einer Deckenkonstruktion. Das Besondere an Produkten mit der Futurelight Technologie sind die Vorteile im Vergleich zu herkömmlichen Membranen: Die Struktur basiert nicht auf das Nutzen von "Löchern" um Atmugsaktivität zu ermöglichen. Sie ist dadurch atmungsaktiver und kann nicht von Fettrückständen der Haut verklebt werden.

Keller Sports: Welche Herausforderungen gab es bis zum Launch 2019 bei der Entwicklung von Futurelight?

Michael Horsch: Die Nanospinn-Technologie wird in der Industrie schon angewandt, z.B. wird sie im medizinischen Bereich verwendet um künstliche Haut zu erzeugen (z.B. für Brandverletzungen). Das Problem war, das es keine Maschinen gab, die eine Membrane in der Größe herstellen konnten, die für eine Verwendung im Textil Bereich nötig ist. Wir mussten also eine komplette Produktionsstrasse bauen um die Herstellung von Futurelight zu ermöglichen.

Keller Sports: Wie merkt man als Träger den Unterschied zwischen einer Futurelight und einer anderen Hardshell Jacke?

The North Face: Beim ersten Tragen merkt man sofort das Futurelight im Vergleich zu herkömmlichen Hardshell-Jacken nicht „hard“ ist. Da die Membrane aus unendlich langen Fäden besteht, hat sie einen extrem hohen mechanischen Stretch. Dadurch ist sie weicher als andere Jacken und nicht so steif. Beim Gebrauch merkt man sofort, dass eine bessere Luftzirkulation besteht. Dies bedeutet, dass mehr Schweiß nach außen transportiert wird und man somit in der Jacke trockener bleibt. Die Jacke ist auch deutlich leiser, was man merkt, wenn man z.B. die Kapuze aufhat und der Wind stark weht. Das ist großer Vorteil, wenn man am Berg kommunizieren muss.

The North Face HQ in Stabio Never Stop Exploring

Keller Sports: In den ersten Tests hat die Futurelight Technologie überzeugt. Welches Kriterium hat euch am meisten überrascht?

Michael Horsch: Wir wussten, dass die Technologie eine überragende Atmungsaktivität hat. Was wir dann aber während der Tests oft als Feedback bekommen haben, war der Komfort durch das weichere Material. Mehr Stretch erzeugt einfach ein besseres Tragegefühl. Man hat das Gefühl, dass die Jacke sich mit dem Körper bewegt und man nicht gegen sie ankämpfen muss.

Keller Sports: In Zusammenhang mit Futurelight fällt immer wieder der Begriff “tuneable”, also veränder- bzw. verbesserbar. Was bedeutet das genau für die verschiedenen Verwendungen von wasserdichtem Material (bspw. Hardshell-Skijacke vs. Sommer Laufjacke)?

The North Face: Bei herkömmlichen Membranen wird meist die gleiche Technologie für verschiedene Aktivitäten angewendet; zum Beispiel für Alpines Skifahren, Freeriden, Skitouren, alpine Bergtouren, Wandern oder Trailrunning. Hierbei müssen alle 100% wasserdicht sein. Allerdings gibt es Unterschiede, z.B. wieviel Wasserdruck sie aushalten müssen, oder wie atmungsaktiv sie sein sollen.

Eine Skitouren Jacke, die bei einer extrem hohen körperlichen Anstrengung verwendet wird, soll im Idealfall extrem leicht und atmungsaktiv sein. Eine Freeride Jacke im Gegensatz sollte sehr robust sein und zudem auch noch wasserdicht sein, wenn man mit dem Körpergewicht und vollem Rucksack im Schneesturm mal im Sessellift sitzt und vollgeschneit wird.

Dadurch ist eigentlich kein Futurelight Produkt wie das andere: Eine Laufjacke muss nur den Druck von Regen oder Schneefall aushalten, während eine Ski Jacke auch mal einen Sturz im nassen Schnee überstehen muss. Allerdings muss die Laufjacke fähig sein deutlich mehr Schweiß abzuführen als eine Ski Jacke, da sie bei höheren dauerhaften Körpereinsatz genutzt wird. Jedes Futurelight Produkt ist daher 100% wasserdicht, aber ideal auf die Aktivität abgestimmt, was die Atmungsaktivität und den Wasserdruck angeht.

Keller Sports: Futurelight ist aus dem Wunsch der Athleten heraus entstanden. Wie haben die The North Face Athleten das Endprodukt angenommen?

Michael Horsch: Die Athleten waren die wahren Innovationstreiber. Nachdem sie die ersten Jacken getestet haben, war ihnen sofort klar, dass noch mehr Potential in der Technologie steckt. Und sofort kamen die Fragen: Was ist mit Handschuhen? Könnt ihr ein Zelt bauen? Könnt ihr das als Layer in eine Isolationsjacke einbauen? Oder eine Mütze damit machen? Unsere Athleten, egal ob Running, Outdoor oder Ski, sind die wahren Treiber für die Entwicklung und auch die Weiterentwicklungen die mit Futurelight kommen.

The North Face Futurelight Technologie an der Flight Series zum Running und Trailrunning

Keller Sports: Was sind die größten Unterschiede, positiv wie negativ, zwischen einer Marke die Materialien und Technologien von Anderen bezieht und einer Marke, die ihre eigene Technologie entwickelt? Bei The North Face kennt man ja beide Seiten.

Michael Horsch: Einer der größte Vorteil ist mit Sicherheit das man komplette Systeme entwickeln kann: Bei Futurelight wurde alles aufeinander abgestimmt, um die bestmögliche Performance mit dem geringsten möglichen ökologischen Fußabdruck zu haben. Das heißt, dass die Membrane abgestimmt wurde, um mit recyceltem Nylon und Polyester zu funktionieren; die Imprägnierung so entwickelt wurde, dass sie mit dem Stoff am besten verbunden werden kann und funktioniert.

Bei zugekauften Materialen von anderen Herstellern ist man da deutlich eingeschränkter. Ich denke es gibt dem Konsumenten auch wieder die Möglichkeit eine Entscheidung basierend auf der Performance der Produkte zu fällen. Wenn alle Marken die gleichen Zulieferer benutzten, sind sich die Endproduckte eben auch sehr ähnlich.

Keller Sports: Nachhaltigkeit und Umweltschutz war in den letzten Jahren ein immer größer werdendes Thema und wird auch in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen. The North Face ist für umweltschonende und nachhaltige Herstellung bekannt. Wie wichtig waren diese Komponenten bei der Erfindung und Entwicklung von FutureLight? Und wo steht das Endprodukt hinsichtlich Nachhaltigkeit und Umweltschutz?

Michael Horsch: Das Ziel war von Anfang an nicht nur ein Produkt herzustellen das eine hohe Funktionalität mitbringt, sondern dass auch im Hinblick auf Sustainability besser ist als seine Vorgänger. Daher wurde die Produktentwicklung von Anfang an mit 100% recyceltem Nylon und Polyester angegangen. Der große Durchbruch kam bei der Entwicklung des DWR.

In der Vergangenheit waren wir gezwungen bei dieser Art von Produkten eine Fluorcarbon basierende Behandlung für die Imprägnierung zu benutzten. Für Futurelight benutzten wir nun eine selbst entwickelte C0 Behandlung, die komplett frei von Fluorcarboniten ist. Und das Ganze ohne einen Leistungsverlust zu haben; es ist uns sogar gelungen die Behandlung langwirkender zu machen (80% nach 80 Waschvorgängen).

Keller Sports: Vielen Dank für deine Zeit! Wir sind gespannt wie die The North Face Futurelight Produkte in unseren Tests ankommen.

The North Face Futurelight ab sofort bei Keller Sports

Passend zum Launch am 01.10.2019 findet ihr die neuen The North Face Futurelight Outdoor Jacken bei uns im Keller Sports Online Shop. Egal ob Flight Series, Summit Series oder Steep Series; überzeugt euch selbst von dem neuen Material und den neuen Produkten.